Länder und Städte des Nahen Ostens sind für die drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam zentrale Orte des Glaubens

Länder und Städte des Nahen Ostens sind für die drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam zentrale Orte des Glaubens

Mi., 19.05.2021 - 09:29

Gemeinsame Pressemitteilung der CIAG (Christlich-Islamische Arbeitsgemeinschaft) Erlangen und der JKG (Jüdische Kultusgemeinde) vom 18. Mai 2021

https://www.erlangen.de/Portaldata/1/Resources/030_leben_in_er/dokumente/Christlich_Islamische_Arbeitsgemeinschaft_Flyer_CIAG.pdfDie Länder und Städte des Nahen Ostens sind für die drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam zentrale Orte des Glaubens. In diesen Tagen sterben dort viele unschuldige Zivilisten; Kinder, Mütter, Väter, Geschwister, die schmerzlich fehlen werden. Gleichzeitig leben viele Familien in Angst und Schrecken und gewalttätige Angriffe gefährden das empfindliche Gefüge des zivilgesellschaftlichen Lebens. Gesundheitswesen, Bildung, Wohnungsbau, Handel sowie das Vertrauensverhältnis zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen werden um Jahre zurückgeworfen.
Als Vertreter der Zivilgesellschaft und des interreligiösen Dialogs in Erlangen trauern wir mit den Familien, den Eltern und Geschwistern der umgekommenen Menschen. Jedes durch Gewalt beendete Leben ist eines zu viel.
Mit Entsetzen mussten wir in den vergangenen Tagen antisemitische Hetze in mehreren deutschen Städten zur Kenntnis nehmen. Dies erschreckt umso mehr, als deutschlandweit in unzähligen großen und kleinen Städten seit Jahren Dialog zwischen Juden, Christen und Muslimen geführt wird, um Gräben zu überwinden und einander und den Glauben der Anderen kennenzulernen.
Dabei besteht keine Frage, dass Kritik an der israelischen Besatzungspolitik legitim ist und unter die Meinungsfreiheit fällt. Wie Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble erklärt hat, muss es möglich sein, israelische Politik zu kritisieren und dagegen zu protestieren, ohne dass sofort Rassismus oder Antisemitismus unterstellt wird. Zu verurteilen ist jedoch, wenn Kritik und Protest als Deckmantel für das Schüren von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit missbraucht werden.
Dieser offen gezeigte Hass zeigt, wie dünn die Kruste des Verstehens und des Miteinanders an vielen Stellen noch immer ist und dass wir den interreligiösen Dialog brauchen, dieser aber flankiert sein muss von bildungspolitischen und sozialen Maßnahmen für alle Generationen, für Menschen jeglicher Herkunft und Religion.
Wir schließen uns den Worten unseres Bundespräsidenten, Frank-Walter Steinmeier an, der vor einer Spaltung der Gesellschaft warnt, und auch den Worten von Aiman Mazyek, dem Vorsitzenden des Zentralrates der Muslime in Deutschland, der sagte: „Wer unter dem Vorwand von Kritik an Israel Synagogen und Juden angreift, hat jedes Recht auf Solidarität verwirkt“.
Wir in Erlangen sehen seit vielen Jahren Menschenrechtsfragen unter dem Leitgedanken des 1. Artikels unseres Grundgesetzes: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Vereint in dieser Überzeugung werden wir zusammenstehen und gemeinsam verdeutlichen, dass wir als Bürgerinnen und Bürger Erlangens uns jeglichem Rassismus entgegenstellen, ganz gleich ob er sich gegen Jüd*innen, Muslim*innen, Christ*innen oder andere Gruppen richtet. Wir plädieren für Friedensprozesse im Heiligen Land. Alle Beteiligten am interreligiösen Dialog in Erlangen wollen weiter dazu beitragen, dass GG Artikel 4, nämlich die Freiheit des Glaubens und der Religionsausübung, von staatlichen Organen gesichert und von der Zivilgesellschaft gelebt werden kann. Die CIAG (Christlich-Islamische Arbeitsgemeinschaft) erhebt ihre Stimme, um den Gläubigen in Erlangen zuzurufen, dass der Glaube uns Stärkung, Trost und Hoffnung gibt und dass es zum Weg einer ehrlichen, respektvollen und friedvollen Verständigung keine Alternative gibt.
Abdelilah El Badi (Sprecher der CIAG Erlangen), Martin Ogiermann,  Dekan Huschke, Dekan Pflaum, Dr. Elisabeth Preuß,  Esther Klaus (Jüd. Kultusgemeinde)

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