Regionalbischof: Sensibilität für Sprachklima extrem schwach

Regionalbischof: Sensibilität für Sprachklima extrem schwach

Do., 04.07.2019 - 13:30

Dr. Stefan Ark NitscheZum zehnjährigen Bestehen der Allianz gegen Rechtsextremismus hält Stefan Ark Nitsche AfD-Wähler für zurückgewinnbar

epd-Gespräch: Jutta Olschewski

Nürnberg (epd). Der Nürnberger evangelische Regionalbischof Stefan Ark Nitsche rät in öffentlichen Debatten dazu, eine "menschenfreundliche Sprache" einzuüben und Worte zu finden, "die nicht diese verletzende Kanten haben". In einem epd-Gespräch zum zehnjährigen Bestehen der Allianz gegen Rechtsextremismus in der Metropolregion Nürnberg (5. und 6. Juli) sagte das Vorstandsmitglied der Allianz am Mittwoch, die Gesellschaft habe ein öffentliches Sprachklima zugelassen, "so dass heute die Hemmschwelle, sich gegenseitig mit Worten zu töten, sehr gering geworden ist. Im Augenblick ist unsere Sensibilität hierfür extrem schwach ausgebildet". Christen hätten als Teil der Gesellschaft hier eine Mitverantwortung.

Nitsche stellte fest, dass die Rechtsextremen in der Bevölkerung heute anders wahrgenommen würden als noch vor zehn Jahren. Ihre Positionen seien in die Parlamente eingezogen, dadurch sei sichtbar geworden, dass Rechtsextremismus "nicht nur ein Splittergruppenphänomen ist, sondern bei einer in ihrer Identität verunsicherten Bevölkerungsgruppe auf Nährboden trifft", sagte der Theologe.

In den vergangenen Jahren habe sich der Umgang der Allianz mit dem Rechtsextremismus verändert, erklärte Nitsche. Während es anfangs "völlig klar" gewesen sei, gegen den Dritten Weg oder dort, wo Neonazis auftreten, zu demonstrieren, wolle man heute demaskieren. Der Schwerpunkt liege auf präventiven Aktionen, man gebe Stadträten und Bürgermeistern Argumentationshilfen und helfe Wirten, Rechtsradikale aus ihren Gasthäusern draußen zu halten.

Nitsche zeigte sich optimistisch, dass sich solche Anstrengungen gegen Rechtsextremismus auch auszahlten. Die Wahlergebnisse bei der EU-Wahl hätten gezeigt, dass sich Prozentzahlen der AfD und rechter Splittergruppen reduzieren ließen, "in dem man andere mobilisiert". Mit einem langen Atem werde man "die AfD-Wähler zurückgewinnen können, wenn wir Bewusstsein schaffen, dass Demokratie nicht etwas ist, was einem in den Schoß gelegt wurde, sondern jeden Tag neu erarbeitet werden muss", sagte der Regionalbischof. (00/2485/03.07.2019)

epd lbm jo mu-

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