Abschied von liebgewordenem Provisorium

Abschied von liebgewordenem Provisorium

So., 06.01.2019 - 19:00

Barackenabriss CVJMMehr als 60 Jahre stand die Jugendbaracke des CVJM auf dem Hof des Vereinsgeländes in der Südlichen Stadtmauerstraße. Nun wurde sie abgebrochen und weicht einem Neubau. 

Mit einigen Axtschlägen trennt ein Arbeiter die letzten Verbindungen einer Holzwand. Mit Brecheisen und Stange bricht ein anderer die Deckenplatten herunter. Aus dem Inneren der alten Holzbaracke kreischt eine Säge. Andere tragen die Einzelteile weg und stapeln sie in mehrere bereitstehende Container, alles wird ordentlich sortiert. "Das ist ein richtiger Rückbau, händisch, um die Mülltrennungsvorschriften einzuhalten" stellt Karl-Heinz Chretien, Geschäftsführer beim Christlichen Verein Junger Menschen (CVJM) Erlangen fest. 

Das Holzhaus, das nun abgebrochen wird, wurde vom CVJM jahrzehntelang äußerst vielseitig verwendet: als wichtiger Treffpunkt für Kinder- und Jugendgruppen , Bibelkreise, aber auch als Büro und Lager. Nach dem zweiten Weltkrieg als Siemens-Standort genutzt, war die Baracke am Stadtrand Richtung Nürnberg 1955, nach dem Bau des Himbeerpalastes, für die aus Berlin übergesiedelte Firma nicht mehr notwendig. Mit dem CVJM, dessen Mitglieder die Barackenteile zerlegten und mit dem LKW in die Südliche Stadtmauerstraße transportierten, fand sich damals ein dankbarer Abnehmer. Ein zweites Gebäudeteil steht übrigens noch immer als "CVJM-Waldheim" bei Dachstadt in der Fränkischen Schweiz und wird auch weiterhin für abenteuerliche Kinderfreizeiten genutzt.

"Etwas Wehmut ist schon dabei" sagt Werner Russow, ehemaliger CVJM-Vorsitzender. "Schließlich hat hier alles begonnen. 1965 - meine erste Jungscharstunde war genau hier im Jungscharraum!" Die Baracke, die lange Jahre als "Stadtheim" bezeichnet wurde, aber ist nun Geschichte. "Bald geht es los mit dem Neubau", sagt sein Nachfolger, der CVJM-Vorsitzende Wolfgang Keck. "Wir hatten uns an das gelb gestrichene Provisorium gewöhnt, auch ich verbinde viele Erinnerungen damit. Aber jetzt bin ich froh, dass es nach der langen Planungszeit endlich vorangeht."

Die ersten Planungen gab es tatsächlich vor fast zehn Jahren. Seinerzeit stellte die Neustädter Kirchengemeinde, der das Grundstück gehört, Überlegungen an, gemeinsam mit dem CVJM einen "Ersatzbau" zu errichten, um sowohl die Raumprobleme der Kirchengemeinde als auch des CVJM zu lösen. Für die Gemeinde ergab sich diese Lösung dann aber durch „Kreuz+Quer“ am Bohlenplatz. Der CVJM hingegen nahm den Anstoß auf und plante unter veränderten Rahmenbedingungen alleine weiter.

Das neue Gebäude entsteht in Holzständerbauweise und wird im Herstellerwerk bereits vorgefertigt. Dadurch wird die Montagezeit auf der Baustelle in der Südlichen Stadtmauerstraße auf ein Minimum beschränkt. Auch das ist wichtig, da die Anfahrt der Baufahrzeuge über ein Nachbargrundstück geregelt werden musste, weil die Zufahrt auf das CVJM-Gelände direkt durch die historische Stadtmauer führt und für die großen Baufahrzeuge zu schmal ist.

Die Baukosten beziffert Wolfgang Keck mit rund 900.000 Euro. Durch die Unterstützung zahlreicher Spender aus dem eigenen Verein, durch Sponsoren, denen das Jugendprojekt besonders am Herzen lag und letztlich durch verschiedene Zuschussgeber konnten bis jetzt schon zwei Drittel der Baukosten finanziert werden. "Ich bin ganz zuversichtlich, dass sich noch mehr Menschen für unser Projekt begeistern und unseren Bau durch großzügige Spenden mit finanzieren, wenn der Bau erst einmal angefangen hat", hofft Uwe Petry, der Sponsoringbeauftragte des CVJM.

Ob er die Baracke vermissen wird? Werner Russow schüttelt den Kopf "Nein. Das Raumklima war schon immer gewöhnungsbedürftig. Und der Geruch sowieso. Das wird jetzt mit Sicherheit besser - und zeitgemäßer."

Text und Bild: CVJM Erlangen

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