Bassd scho?

Für Franken ist dieses „bassd scho“ ein Ausdruck höchster Euphorie und bedeutet, kurz gesagt, „besser geht es nicht“. Doch wahrscheinlich kommt uns diese satteste aller fränkischen Wohlfühlbezeugungen momentan gar nicht so leicht über die Lippen. Zum einen wegen der aktuell wieder verschärften Corona-Situation und den damit verbundenen Einschränkungen – uns wird immer klarer, dass die Hoffnungen auf schnelle Normalität, die wir im Sommer vielleicht hatten, enttäuscht wurden. Zum anderen sind da ja auch noch die „normalen“, ganz individuell empfundenen Herausforderungen, wie länger dauernde Krankheiten, der Verlust eines lieben Menschen, Streit in der Verwandtschaft, Sorge um den Arbeitsplatz oder die Suche nach sozialen Kontakten nach einem Umzug. 
Darf ich fragen, wie es Ihnen gerade geht? Wenn mir jemand diese Frage stellt, dann kommt mir häufig ein gedankenloses „passt schon“ über die Lippen. Aber manchmal ringe ich mich durch, inne zu halten und wahrzunehmen, wie es mir eigentlich geht. Und die mit Corona verbundenen Einschränkungen und ihre Auswirkungen auf mein Inneres habe ich erst richtig wahrgenommen, als eine Arbeitskollegin in einem der unzähligen online-Meetings die eigentlich naheliegende Wahrheit ausgesprochen hat: „Dieses Jahr ist nicht normal!“ Ich werde am Ende Kraft verloren und weniger gelacht haben als sonst. Lieb gewordene und wertgeschätzte große und kleine Kraftquellen wie Urlaub mit der Familie oder der Kaffee zu zweit waren nicht oder nur eingeschränkt möglich. Mein Köper und meine Seele hatten das schon gespürt, aber erst als ich das vor mir selbst zugegeben hatte, kam ich besser damit klar: Nein, es ist eben nicht alles in Ordnung. Ich bin müde und erschöpft, mitten in meinem Homeoffice. 
Und dann erinnere ich mich daran, was Jesus Christus gesagt hat, als er vor 2000 Jahren Menschen in offenbar ähnlichen Situationen begegnet ist: „Bist du müde? Erschöpft? Ausgebrannt? Komm zu mir und du wirst dein Leben zurückgewinnen. Ich zeige dir, wie du dich richtig ausruhen kannst.“ Oh, wie sehne ich mich danach, dass mich jemand mitten in meinem Alltag erfrischt, Hoffnung spendet und mir hilft, mein Leben zurückzugewinnen! (Bibelkennern mag Martin Luthers Übersetzung von Matthäus 11,28 geläufiger sein: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“)
Und wie kann diese Erfrischung praktisch aussehen? Ich bin dankbar, wenn ich sie in der direkten Beziehung, im Gebet, dem Zwiegespräch mit Jesus Christus erlebe:  Wenn mein Herz zur Ruhe kommt und Friede und neue Hoffnung einkehrt, trotz Angst und Sorge in mir und um mich herum. Denn er ist Schöpfer und Freund des Lebens! Genauso dankbar bin ich, dass Gott gerne durch Menschen handelt – beispielsweise durch Freunde, die mich ermutigen, mich wertschätzen, mit mir beten und mich die Begegnung (auch mit Maske, online oder per Telefon) mit ihnen wieder froh macht. Ich habe auch erlebt, dass ich andere Menschen erfrischen kann: Obwohl wir unsere Mimik oft nicht mehr sehen, können wir uns in unserem Alltag immer wieder Zeit nehmen, inne zu halten – im Geschäft, in der Schule, in der Arbeit, beim Treffen mit Freunden – einander in die Augen schauen und mit unsern Worten Mitgefühl und Trost, Dankbarkeit füreinander, Ermutigung und Hoffnung ausdrücken.
Ich wünsche Ihnen gute, ehrliche und neue Erfahrungen miteinander und mit Gott selbst.

Dr. Martin Schellenberger

Autorin/Autor:
Dr.-Ing. Martin Schellenberger
Vorsitzender der Evangelischen Allianz Erlangen
24.10.2020 (Woche 43/20)