Impuls

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Mut zum Leben

Österliche Menschen leisten trotz mancher Rückschläge und Enttäuschungen immer wieder ihren eigenen Beitrag um Gutes, Wichtiges und Großes auf den Weg zu bringen und zu verwirklichen.

Vor drei Wochen war Ostern. Für die Kirche ist es das wichtigste Fest: Sie feiert den Sieg des Lebens über den Tod. Durch die Auferstehung Jesu darf der Mensch daran glauben, dass seine Existenz am tiefsten Punkt seines Daseins, dem Tod, durch Gott zu neuen und unvergänglichen Leben emporgehoben wird. Nicht ein dunkles Ende erwartet den Sterbenden nach dem letzten Atemzug, sondern die Vollendung im Licht. Das ist die größte Würde, die uns Menschen zuteil werden kann; Geschenk Gottes an all jene, die sich seiner Wirklichkeit und Liebe öffnen. Ostern macht Mut zum Leben, weil es ein Ziel gibt, auf das es sich lohnt zuzugehen: erwartungsvoll, optimistisch, kreativ! 
Österliche Menschen leben daher entschieden im Heute: Sie geben ihre Erwartung nicht auf, dass die Kirche durch das glaubwürdige Engagement von Christinnen und Christen zu neuer Glaubenskraft finden wird. Österliche Menschen leben im Optimismus, dass es gelingt, die Schöpfung so zu bewahren, dass die Erde auch künftig ein guter Platz zum Leben sein wird. Österliche Menschen wissen wie wichtig Kreativität ist, um Krisen zu überwinden und das  gesellschaftliche Leben nachhaltig zu verbessern. Österliche Menschen leisten trotz mancher Rückschläge und Enttäuschungen immer wieder ihren eigenen Beitrag um Gutes, Wichtiges und Großes auf den Weg zu bringen und zu verwirklichen. 
Gläubige Christinnen und Christen vertrauen dabei auf die Hilfe Gottes, weil er ein Freund des Lebens und der Zukunft ist. Dies haben wir uns nicht nur jüngst bei den Gottesdiensten an den Osterfeiertagen in  Erinnerung gerufen, sondern wir bekennen dies in besonderer Weise 50 Tage lang. Am Pfingstfest feiern wir dann, dass uns die Kraft des Heiligen Geistes geschenkt ist, damit wir entschieden mit unseren je eigenen Talenten und Fähigkeiten am Aufbau dessen mitwirken können, was Jesus das „Reich Gottes“ nennt. Weil österliche Menschen das Leben und die Zukunft fest im Blick behalten, haben sie langen Atem. 
Von solch einem österlichen Menschen mit Mut zum Leben erzählt der Schriftsteller Jean Giorno: Ein Mann zog sich nach dem Tod seiner Familie in eine einsame und unwirtliche Gegend zurück. Er erkannte, dass die Gegend aus Mangel an Wasser bald völlig absterben werde. So besorgte er sich Eicheln, tränkte sie mit Wasser und pflanzte sie ein. Er hoffte, dass wenigstens jede zehnte von ihnen treiben und die neuen Wurzeln frisches Wasser ansaugen würden. Und siehe: Im Lauf der Jahre entwickelte sich ein Wald und um ihn herum eine blühende Landschaft sowie ein neuer Fluss. Die Freude der einst misstrauischen  Bewohner wuchs ebenfalls, so dass sie begannen, sich für die Weiterentwicklung ihrer wiedergewonnen Heimat mit Leidenschaft einzusetzen. 
Ich wünsche Ihnen allen, liebe Leserinnen und Leser, Mut zum Leben, und die Bereitschaft dort, wo sich Ihr Leben ereignet, ein österlicher Mensch zu sein! 
 

Pfr. Michael Schüpferling
Autorin/Autor
Pfarrer Michael Schüpferling
Leitender Pfarrer des Katholischen Seelsorgebereichs Erlangen
veröffentlicht am

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Weisheit, Mut und vor allem Gelassenheit braucht es in Krisenzeiten

„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ 

Weisheit, Mut und vor allem Gelassenheit braucht es in Krisenzeiten,
liebe Leserinnen und Leser!


„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“ So lautet das bekannte „Gelassenheitsgebet“ des amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr aus der schweren Kriegs- und Nachkriegszeit. Es bringt mit seinen drei Wünschen Charaktereigenschaften zusammen, die auf den ersten Blick gar nicht so viel miteinander zu tun haben: Gelassenheit, Mut und Weisheit. Die „Gelassenheit, Dinge hinzunehmen“ fällt mir persönlich schwer. Als Christ bete ich, frage ich Gott nach dem „warum“ und dem „wozu“. Das wunderbare dabei: Ich darf die Dinge einfach sein lassen, wie sie sind, wenn sie meine Kräfte übersteigen. Ich darf sie mit der Vaterunserbitte „dein Wille geschehe!“ Jesus Christus anvertrauen. Das Gelassenheitsgebet will zeitgleich einen Perspektivwechsel einleiten: Weg von der rückwärtsgewandten Ohnmachtsfrage „warum etwas passieren musste“ hin zur problemlösenden „Wozu-Perspektive“, also auf das hin, was ich beeinflussen kann. Denn längst nicht alles, was geschieht, ist Gottes Wille. Die Frage nach dem Wozu ist zukunftszugewandt: Was kann und will ich erreichen? Das befreit mich aus einer lähmenden Opferrolle, denn Ohnmachtsgefühle sind die stärksten Stressfaktoren. Zurzeit ist die gesellschaftliche Akzeptanz, Corona bedingte Verordnungen und Verbote hinzunehmen, hoch, aber ich verstehe, dass bei Menschen, die in ihrer Existenz bedroht sind, die Gelassenheit nach einem Jahr zunehmend schwindet.

Bei anderen Protesten frage ich mich dagegen: Wäre nicht etwas mehr Gelassenheit angebracht? Die scheinbar nicht enden wollende Corona-Krise lehrt uns da einiges. Zum Beispiel den „Mut, Dinge zu ändern“. Menschen, die ihre Fehler eingestehen, aus ihnen lernen und es künftig besser machen wollen, gilt dabei meine uneingeschränkte Bewunderung. Und letztlich die „Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden“. Das ist nicht leicht, gerade in dieser Zeit, in der so viele unterschiedliche Informationen auf uns einstürmen, sich die Experten und Politiker permanent zu widersprechen scheinen. Doch nur in diesem kritischen Dialog geschieht Wahrheitsfindung. Für mich persönlich sind die Einsamkeit oder Verzweiflung meines Nächsten „die Dinge, die ich ändern kann“ mit einem Telefonanruf, mit einem guten Wort, mit praktischer Hilfe. Die Verantwortung, die Situation meiner Mitmenschen zu verbessern, ist christlich gesehen klar. Hier liegt der Kern des Gelassenheitsgebetes.

Mir selbst fehlt es oft im entscheidenden Moment an der nötigen Weisheit, dem bekennenden Mut und der ruhigen Gelassenheit, aber ich darf darum bitten: 
Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
Einen Tag nach dem anderen zu leben,
einen Moment nach dem anderen zu genießen.
Entbehrung als einen Weg zum Frieden zu akzeptieren.
Diese sündige Welt anzunehmen, wie Jesus es tat,
und nicht so, wie ich sie gern hätte.
Zu vertrauen, dass Du alles richtig machen wirst,
wenn ich mich Deinem Willen hingebe,
sodass ich in diesem Leben ziemlich glücklich sein möge
und im nächsten für immer überglücklich.
Danke, Gott. Amen.


Ade Ihr Pfarrer Christian Schmidt
 

Pfarrer Christian Schmidt
Autorin/Autor
Pfarrer Christian Schmidt
Evang.-Luth. Kirchengemeinde Eltersdorf
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Mitten im Leben - Mitten im Glauben

Zwischen Karfreitag und Ostersonntag, zwischen Schmerz und Freude –
mitten im Leben und Glauben

Der heutige Karsamstag liegt zwischen dem blutigen, schmerzhaften Tod Jesu und Jesu Auferstehung in neu aufblühendes Leben. Stille, Sprachlosigkeit und Unklarheit kennzeichnen den Tag. Irgendwie muss das Leben weitergehen, muss der Weg durch den Tod in den Alltag gefunden werden … und gleichzeitig möchten wir doch Ostern feiern – trotzdem. Das Leben kann nicht einfach vorbei sein. Auf die Osterfreude und das Osteressen wollen wir doch zuleben – trotz allem Schlimmen und Traurigen, trotz Schmerz und Tod. Zwischen Trauer und Freude muss Alltag bewältigt werden und Leben möglich bleiben.
Lieber Leserinnen und Leser, für mich verdichtet der Karsamstag, was mir christlicher Glaube bedeutet.
Ich möchte die Kraft haben, nicht wegzuschauen von dem Schlimmen und Bösen in der Welt. Sterben und Tod, Ungerechtigkeit und Bosheit von uns Menschen möchte ich mich bei mir selber und bei andern in aller Härte stellen. Ich möchte Leben klar und nüchtern sehen, nichts im Leben schönreden und keine Lügen für das Leben gelten lassen müssen. Da hilft nur das Eingeständnis: Er ist tot. Da sind Trauer und Schmerz nicht zu vermeiden, wie sie uns von den Menschen um Jesus, allen voran von seiner Mutter, Maria, in den Evangelien berichtet werden.
Und ich möchte ganz fest damit rechnen können, dass mit Gottes Hilfe wir ganz viel schaffen können, ganz viel zurechtbiegen können: Andere können für mich und ich kann für andere da sein. Das Leben wird doch am Ende zum Zug kommen, siegen. Gerade die Frauen um Jesus in den Osterevangelien und die ersten Christinnen und Christen in Jerusalem haben uns das dank Gottes Geist vorgelebt.
Gerade in den Zeiten von Covid 19 erlebe ich solches „karsamstägliche“ Hin- und Hergeworfensein zwischen Trauer und Ärger auf der einen Seite und Erstaunen und Freude auf der anderen Seite. Ich ärgere mich in diesen Tagen und Wochen oft, wie unvernünftig wir Menschen sein können … und dass unsere Pläne sich manchmal so schnell als falsch herausstellen können. Ich bin tief beeindruckt, mit welchem Einsatz Menschen für andere da sein können und wie schnell wir Menschen miteinander viel dazulernen können. Es ist toll, was Menschen da für andere leisten. Ich merke, wie schwierig es ist, das auszuhalten zwischen Freude und Trauer, Lebensmut und Verzweiflung. Wie ungern ich mit Covid 19 verschärft erlebe, dass ich die Dinge nicht in der Hand habe, dass ich das Schlimme nicht verhindern und das erreichbare Erfreuliche nicht einfach durchsetzen kann.
Ich erlebe mich wie am Karsamstag – den Tod kann ich nicht rückgängig machen, die Auferstehung nicht herbeiführen. Ich kann eigentlich nur wie der um seinen Sohn fürchtende Vater zu Gott sagen: „Ich glaube, hilf meinem Unglauben.“ Wie dieser Vater im Markusevangelium (9, 14 – 29) muss ich den drohenden Tod ganz ernst nehmen und will dem Leben und Gott doch ganz viel zutrauen …. und rechne eigentlich fest mit ihm … und fasse meine Zuversicht und meine Zweifel wie er in die Worte. „Ich glaube, hilf meinem Unglauben!“ 
Zeit zur Stille und zum Nachdenken und dann ein gesegnetes Osterfest und wieder neu aufblühendes Leben mit Gottes Hilfe wünscht sich und Ihnen, liebe Leserinnen und Leser,
Ihr Dekan Peter Huschke
 

Dekan Peter Huschke
Autorin/Autor
Dekan Peter Huschke
Evang. Luth. Dekanat Erlangen
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Fastenzeit

Fasten in Zeiten von Corona

Seit frühen Zeiten bereiten sich Christinnen und Christen mit Verzicht auf das Osterfest vor. Der biblische Bericht, dass sich Jesus nach seiner Taufe in die Wüste zurückgezogen hatte, ohne zu essen und zu trinken, spielte dabei eine Rolle (Matthäus 4). Verschiedene mehr oder weniger strenge Traditionen und Formen entstanden. Gleichzeitig wurde nach Möglichkeiten gesucht, die Vorschriften zu umgehen. Ob es wahr ist, dass etwa die schwäbische Maultasche entstand, um das Fleisch in der Fastenzeit zu verstecken, sei dahingestellt. Die Reformatoren des 16. Jahrhunderts kritisierten die kirchlichen Fastengebote als Äußerlichkeiten, und die Reformation in der Schweiz begann mit einem demonstrativen Wurstessen am ersten Sonntag der Fastenzeit.  
Dennoch: Fasten ist etwas, was dem Menschen guttun kann. Der freiwillige (!) und bewusste Verzicht wird seit Jahrhunderten praktiziert – in allen Weltreligionen, und auch bei nicht religiös gebundenen Menschen. Er wird von Vielen als Bereicherung ihres Lebens und als Mittel zur Besinnung empfunden. 
Doch Fasten ausgerechnet in diesem Jahr? In der Corona-Pandemie leiden die meisten Menschen unter zahlreichen Einschränkungen. Verzicht hat als verordnete Begrenzung eine eigene, durch ein Virus erzwungene, Bedeutung bekommen. Seit Monaten gibt es keine Restaurantbesuche, der unbeschwerte Shopping-Bummel oder das Fest mit Freunden ist nicht in Sicht, ganz abgesehen von existenziellen Ängsten und Sorgen vieler Menschen. Nein, da mag mancher nicht an zusätzliches Fasten denken!
Mir fehlt aber viel mehr: Gesang, Konzerte, Musik in den Kirchenräumen, gerade in der Passionszeit! In den Zeiten von geschlossenen Museen, Theatern und Konzerthäusern spüre ich, wie sehr ich diese inneren Inspirationen brauche. Kunst und Religion sind dabei Bewohnerinnen des gleichen systemrelevanten Raums, keine Antipoden. Kirche ist auch Kulturträgerin. Ich erlebe das gerade in unserer Matthäuskirche, wo die neue Orgel eingebaut wird – das Kircheninstrument schlechthin. Und ich sehe, dass Orgelbau zu Recht zum immateriellen Weltkulturerbe gezählt wird und die Königin der Instrumente 2021 zum Instrument des Jahres gewählt wurde.
Kirche und Kultur leben auch vom gegenseitigen Dialog und Diskurs. Der muss fortbestehen, die Künste müssen auch in Coronazeiten überleben können.
Wir könnten diese außergewöhnliche Fastenzeit nutzen, bewusst einmal „7 Wochen mit“ auszuprobieren. Mit Kultur. In einem täglichen, persönlichen (leider meist nur virtuellen) Dialog mit einem poetischen Text, einem Bild, mit einer Installation oder mit einem Musikstück. 
Wir können dafür ruhig auch mal etwas bezahlen – das hilft den KünstlerInnen - und dann in einen Trialog eintreten mit der Geschichte vom Leiden und Sterben des Jesus von Nazareth. Wir werden viele gemeinsame, existenzielle Themen entdecken – menschliche und göttliche, ganz im Sinne einer bewusst gelebten Passionszeit. 
Und den Christinnen und Christen sollte man dabei immer anmerken, dass nach der Passionszeit Ostern kommt, dass wir nicht von der Dunkelheit, sondern vom Licht her denken, auch in der Krise. Mit diesem religiös fundierten Grundoptimismus können wir für die Gesamtgesellschaft einen wertvollen Beitrag dazu leisten, wohlbehalten durch diese schwierigen Zeiten zu kommen.

Christian Düfel, Pfarrer
Evang.-Luth. Kirchengemeinde St. Matthäus, Erlangen

Christian Düfel, Pfarrer
Autorin/Autor
Pfarrer Christian Düfel
Evang.-Luth. Kirchengemeinde St. Matthäus, Erlangen
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Gegensätze bestimmen das Leben!

Die Botschaft des Neuen Testamentes ist eine Ermutigung zum Leben in allen Gegensätzen.

Unser Leben, unser Alltag, ist immer wieder von Gegensätzen geprägt. Auf der einen Seite erleben wir Stress und Hektik und sehnen uns nach Ruhe, auf der anderen Seite erleben derzeit viele Homeoffice, allein sein, Kontaktbeschränkungen und sehnen sich nach Gesellschaft, nach Begegnungen, nach viele Menschen.
Oder viele erleben fröhliche und schöne Momente und werden oft im nächsten Moment wieder eingeholt von negativen Nachrichten oder persönlichen Schicksalen. Da werden Pläne für die nächsten Jahre geschmiedet und im nächsten Moment die Diagnose einer schwierigen Krankheit.
Wieder andere erwarten ein Kind, alle freuen sich, endlich Eltern oder Großeltern zu werden und dann stirbt der Opa oder die Oma. 
Geburt und Sterben, Freude und Traurigkeit, Erfolg und Misserfolg, so viele Gegensätze liegen oft ganz nah beieinander und prägen unser Leben. Nicht selten sind diese Erfahrungen zermürbend, nehmen die Spannungen, die dadurch entstehen, einem viel Lebenskraft.

Und dann erleben wir als Christen am kommenden Sonntag den Palmsonntag. Wir gedenken des Einzugs Jesu in Jerusalem. Aus dem Neuen Testament wird uns überliefert, Jesus wird mit viel Freude und Begeisterung empfangen, viele reißen Zweige, grüne Palmzweige ab und jubeln Jesus damit zu, geben ihrer Freude und Hoffnung einen Ausdruck. Sie rufen euphorisch: „Hosianna!“
Doch in der gleichen Woche, keine fünf Tage später gedenken wir dem Sterben und dem Kreuzestod Jesu. Und wir lesen im Neuen Testament, wie die Menschen, viele die vorher Hosianna gerufen haben, jetzt rufen: „Kreuzige ihn!“ Der krasse Gegensatz!

Gegensätze machen mürbe, können kaputt machen oder im Falle Jesu, sogar bis zum Tod führen.
Aber Gott zeigt uns einen anderen Weg auf, eröffnet uns ganz andere Perspektiven! Der Blick auf Ostern! 
Egal in welchem Gegensatz, in welcher Gefühlslage und Situation wir stecken, uns ist der Blick auf Ostern gewiss. Eine Zusage auf Leben, ein Lebensziel vor Augen, das Kraft geben soll. Kraft, auch und gerade sich den gegensätzlichen Momenten zu stellen, diese nicht zu verdrängen, sondern anzupacken, anzugehen und bewältigen. Es geht nicht um Durchhalten oder schön Reden, sondern es geht um eine klare Perspektive, das Leben im Gegensatz bewusst anzugehen und aktiv zu gestalten und so manches gegensätzliche zu überwinden.
Ostern erfahren und erleben bedeutet, den Gegensatz von Jubel und Trauer, von Freude und Weinen zu durchleben. 
Pessimisten sind die, die nur das Negative sehen und pflegen, die im Gegensatz stecken bleiben und darin untergehen.  Optimisten sind diejenigen, die die Gegensätze des Lebens angehen, aber mit dem Blick auf Ostern, den Blick auf Lebenszusage, hier und jetzt. 
Die Botschaft des Neuen Testamentes ist eine Ermutigung zum Leben in allen Gegensätzen, eine Ermutigung die Gegensätzen dieser von Corona geprägten Zeit zu durchleben mit dem Blick zu einem Leben, in dem wir uns wieder frei begegnen, unbeschwert miteinander feiern, uns ganz nahe sein können.

Helmut Hetzel,
Kath. Pfarrer von St. Otto, St. Josef und St. Magdalena, Herzogenaurach
und 
leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Aurach-Seebachgrund
 

Helmut Hetzel
Autorin/Autor
Pfarrer Helmut Hetzel
Kath. Pfarrer von St. Otto, St. Josef und St. Magdalena, Herzogenaurach und leitender Pfarrer im Seelsorgebereich Aurach-Seebachgrund
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Morgenluft?

„Als es dann Morgen wurde, stand Jesus am Ufer……“ (Johannesevangelium 21, Vers 4a)

Liebe Leserinnen und liebe Leser,
kennen Sie dieses Gefühl, wenn Sie früh morgens vor die Tür treten und die Morgenluft tief einatmen? Noch etwas kühl von der Nacht fühlt sie sich unverbraucht und wohltuend an. Bei diesem Frischekick werde ich richtig wach und denke: Der Tag kann kommen.

Aber, wenn wir ehrlich sind, scheint es derzeit weniger Tage zu geben, die so beginnen. Innerhalb unserer aktuellen Coronaentwicklungen und den damit verbundenen Herausforderungen gibt es viele Fragen und Sorgen, die uns beschäftigen und manchmal sogar nachts wachhalten. Manche Entwicklungen verstehen wir mittlerweile besser, stoßen aber dennoch oft an unsere Grenzen, auch persönlich. So sind die verschiedenen Impfstoffe ein großes Geschenk, ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Doch sind die Impfungen und andere Maßnahmen die komplette Lösung für alle unsere Fragen? Die Lösung für die Zukunft?
 
„Als es dann Morgen wurde, stand Jesus am Ufer“.
Vor kurzem haben wir Ostern gefeiert. Ein Ereignis, das leidenschaftlich zeigt, dass wir Menschen Grund zur Hoffnung und Freude haben. Dass wir jeden Tag neu mit frischer, belebender Morgenluft versorgt werden. „Jesus Christus, der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!“ So grüßten sich damals die ersten Christen und genau das möchte ich uns allen auch heute als eine Wahrheit zusprechen. Das Grab ist leer, Jesus Christus ist nicht bei den Toten geblieben! Das ist die ganze Wucht der Osterbotschaft. Einer Botschaft, die Leben verändern kann. Als Jesus am Kreuz von Golgatha rief „Es ist vollbracht!“ und nach drei Tagen von den Toten auferstand, hatte er ein für alle Mal gezeigt, dass er Gottes Sohn ist.  

„Als es dann Morgen wurde, stand Jesus am Ufer“.
Wussten Sie, dass dieser Vers mit einer großen Enttäuschung zusammenhängt, die die Nachfolger Jesu damals erlebt hatten? Dort wird berichtet, dass sie die ganze Nacht auf dem See Genezareth fischen waren, allerdings mit leeren Netzen zurückkamen. Ohne Erfolg, ohne sichtbaren Fang. Nach so einer deprimierenden Nacht war es sicher nicht einfach, ohne negative Gefühle in den neuen Tag zu starten. Vielleicht empfinden wir selbst die Zeit der bisherigen Coronapandemie auch als so etwas wie „eine Nacht“, die nur sehr langsam vorübergeht und oftmals einfach nur anstrengend und frustrierend ist. 

„Als es dann Morgen wurde, stand Jesus am Ufer“.
Was die Nachfolger von Jesus nicht wussten: Jesus stand die ganze Zeit über am Ufer und beobachtete sie beim erfolglosen Fischen. Er wusste, dass die Netze leer waren und wie sich die Männer auf dem Boot fühlten. Er griff in diesem Moment nicht ein, er erwartete sie jedoch am Morgen voller Sehnsucht, Liebe und Fürsorge am Ufer. 
Er ermutigte sie mit einem „frischen“ Wort und versorgte sie später mit einem kräftigenden Frühstück. Der entscheidende Punkt ist, dass Jesus an Ort und Stelle war! Dass er sich kümmerte. Wenn auch anders, als es sich die Fischer in diesem Moment gewünscht hätten.  

„Als es dann Morgen wurde, stand Jesus am Ufer“.
Nach dem Erleben von Ostern bin ich mir daher sicher, dass es für uns alle durch Jesus Christus diesen neuen Morgen geben wird, an dem wir tief durchatmen und frische Morgenluft einatmen können. Auch in unserer jetzigen Zeit, die aufwühlend und von vielen Auflagen geprägt ist. Denn Ostern hat uns gezeigt und daran erinnert, dass Jesus niemals aufhören wird uns zu lieben. Unsere offenen Fragen, Sorgen und Ängste, unsere „leeren Netze“ halten ihn nicht auf an unserer Seite zu stehen und uns persönlich zu ermutigen. Davon bin ich überzeugt. Durch IHN gibt es immer einen neuen Morgen für uns. Das Vertrauen darauf wünsche ich uns von Herzen für heute und morgen. Für die Zukunft.

Herzliche Grüße
Torsten Rudzio (Pastor der EFG Erlangen)

Torsten Rudzio (Pastor der EFG Erlangen)
Autorin/Autor
Pastor Torsten Rudzio
EFG Erlangen
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„Gott in deiner Müslischüssel“

„Denn Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ (2. Tim.1,7)

Nickis Sohn isst jeden Tag sein Müsli aus derselben Schüssel. Es ist die mit dem Löwenkopf, die er zu seinem 1. Geburtstag geschenkt bekommen hat. Dieses Ritual ist für ihn wichtig, es bedeutet für ihn Struktur, Sicherheit und Ordnung in seinem Leben. Vielleicht fällt ihnen auch so ein Ritual aus ihrem eigenen Leben ein? Die Lieblingstasse am Morgen, der Espresso am Mittag, der tägliche Spaziergang, das Powernapping in der Mittagspause, das Sport-Workout, der Spaziergang mit Freundin oder Freund, …
In den letzten Monaten wurden viele unserer liebgewonnenen, aber auch festgefahrenen Gewohnheiten ordentlich durcheinandergewirbelt. Und jetzt fehlen sie uns: die Beständigkeit und die Verlässlichkeit, sozusagen die eigene „Löwenschüssel“ am Morgen, die uns eine klare Linie vorgibt. Auch, wenn es sich an manchen Tagen so anfühlt, in unserem eigenen kleinen kontaktbeschränkten Zuhause, sind wir dennoch nicht allein. Der Glaube vereint uns, schützt uns, trägt uns. Das gilt vor, während und nach jeder Krise. Wir glauben, dass Gott immer da ist, auch wenn wir manchmal an seiner Gegenwart zweifeln angesichts so mancher Schicksale und Ereignisse. Er ist unser beständiger Begleiter, seine gute Nachricht kann uns tragen und führen. Gott steht an unserer Seite und geht mit uns durch Zeiten, in denen der Halt wegbricht, die Geduld und die Hoffnung strapaziert werden. Wir können und dürfen aus seiner Kraft und Liebe schöpfen. Vor allem, wenn wir selbst den Weg nicht sehen, unsere Akkus leer sind, Rituale, die sonst Kraft gegeben haben gerade nicht möglich sind, das „sich aufraffen“ jeden Tag schwerfällt. 
Keiner muss Höchstleitungen erbringen oder so tun, als könnte alles so weiterlaufen wie bisher. Vergeuden wir nicht unsere Kraft damit, den Schein zu wahren, sondern akzeptieren wir, dass man nicht an jeder Krise und an jedem Problem wachsen kann oder muss. Manchmal reicht es auch, etwas einfach nur zu überstehen. 
Dazu kann ein Vers aus dem 2. Timotheusbrief 1,7 Mut machen. Dort heißt es: „Denn Gott hat uns nicht den Geist der Verzagtheit gegeben, sondern den Geist der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit.“ In diesem Sinn: Suchen sie ihre Löwenschüssel! Entdecken sie, was ihnen gut tut und sie durchhalten lässt! Und seien sie offen dafür, genau darin Gottes Nähe und Kraft zu erfahren.

Nicole Freund und Martina Keller arbeiten als Bildungsreferentin bzw. Referentin für Glaubensbildung im Jugendamt der Erzdiözese Bamberg in der Fachstelle Erlangen, Mozartstr. 29.
Ihre Aufgabe ist es, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus den katholischen Seelsorgebereichen und den Jugendverbänden des BDKJ zu begleiten, zu unterstützen und mit ihnen und für sie geeignete Angebote zu entwickeln und anzubieten.
 

Martina Keller
Autorin/Autor
Martina Keller, Dipl. Rel.päd (FH)
Referat Glaubensbildung in der Jugendpastoral Dekanate Erlangen, Fürth, SSB Pegnitztal Diözesankuratin PSG im Erzbistum Bamberg
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„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht“

Glaube ist etwas tolles, Ostern wird kommen und nicht verschoben. In der Fastenzeit, von Aschermittwoch bis zum Karfreitag, lädt die Kirche die Menschen ein zu fasten.

Glaube ist etwas tolles, Ostern wird kommen und nicht verschoben. In der Fastenzeit, von Aschermittwoch bis zum Karfreitag, lädt die Kirche die Menschen ein zu fasten. Die Sonntage der Fastenzeit sind ausgenommen. 40 Tage als Vorbereitungszeit, ein einüben eines besseren Lebensstiles, ein Leib und Seele anders zu ernähren, ein Aufhören schlechter Gewohnheiten. Ein inneres Umkehren, das ein Äußeres verändert. Wenn ihr fastet, viele denken an Süßigkeiten, Fernsehen oder Handy. Doch fassten geht tiefer. In der Zeit der Pandemie ist der Verzicht auf vieles gefordert, Urlaub, Freunde zu sehen, Feiern mit Freunden, Partys und vieles mehr. 
Auf viele Kontakte müssen wir zur Zeit noch verzichten. Und wenn der 35 Wert nicht erreicht wird, geht es vielleicht weiter. In der Kirche ist eines sicher, nach der Fastenzeit kommt Ostern, dass große Fest des Glaubens. Wie wir es dieses Jahr feiern dürfen ist noch offen, doch es wird kommen, dass ist Gewissheit. Der Glaube vertröstet uns nicht, der Ostermorgen ist gewiss.
Macht kein finsteres Gesicht! 
Als Christen dürfen wir gewiss sein, wir sind geliebt von Gott unserem Vater und die Hoffnung soll uns den Kopf nicht hängen lassen. Vertraut auf den, der alles überwunden hat, schreibt Paulus. Fasten, welch eine Chance Kraft für Leib und Seele zu erlangen. Es gibt einen Zusammenhang von Ernährung und Seele. Der Einfluss von Botenstoffen in der Nahrung auf unser seelisches Wohlbefinden beruht auf einem komplexen Zusammenspiel von verschiedenen Elementen. Bestimmte Lebensmittel können sich positiv auf unser seelisches auswirken. Serotonin soll sich positiv auf unsere Stimmung auswirken, wie Ausgeglichenheit und beruhigend sein, ein fehlen führt zu schlechter Laune. 
Auch Vergebung und Verzeihung sind wichtig und haben in der Fastenzeit einen wichtigen Platz. Solange wir anderen Menschen immer wieder Schuld Zuweisungen machen und auch wenn es nur gedankliche ist, erleben wir negative Gefühle und fühlen uns schlecht. Vergebe anderen Menschen, damit geht es dir selber besser und bei dir selbst geschieht Veränderung. In der österlichen Bußzeit, dürfen wir uns Üben im Guten, versuchen wir doch, dankbar zu sein für die anderen Menschen, die ihren Dienst für uns und andere Menschen tun, versuche den Stress zu reduzieren, lerne Nein zu sagen, Sei liebevoll zu dir selbst, verbanne Dinge oder Menschen, die dir schaden, werde Heil an Leib und Seele. Lebe im hier und jetzt, lächle auch hinter der Schutzmaske, tue Dinge, die du liebst. Höre auf, dich zu vergleichen, du bist okay. Das Glas ist halbvoll, denke positiv. Und vertraue, nach der Fastenzeit kommt Ostern, es fällt nicht aus und wird nicht verschoben, es ist von keinem Inzidenzwert abhängig, nur Vorbereitung dazu braucht es schon.

Christian Lauger
Seelsorger für Menschen mit Behinderungen
 

Christian Lauger
Autorin/Autor
Christian Lauger, Behindertenseelsorger
Seelsorgerischer Dienst - Regnitz Werkstätten gGmbH
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In den Kurven unterwegs

„Mögen die Herausforderungen deines Lebens für dich sein wie die Kurve einer Straße.“

Zu meinem letzten Geburtstag bekam ich eine Karte, in der die Glückwünsche mit folgendem Satz begangen: „Mögen die Herausforderungen deines Lebens für dich sein wie die Kurve einer Straße.“ Finden Sie kurvige Straßen im Leben angenehm? Wenn bei mancher Autofahrt zu viele Kurven kamen, hat immer mal wieder eines unserer Kinder mit dem Mageninhalt deutlich gemacht, dass er oder sie den Abschnitt der Fahrt gerade nicht angenehm empfand. Allgemein wünschen sich doch die meisten von uns, das Leben würde glatt und geradlinig verlaufen, oder nicht? Gerade in unserer aktuellen Lage im Lockdown sehnen wir uns nicht nach noch mehr Kurven und Herausforderungen, sondern endlich wieder Planbarkeit und den geraden Weg heraus aus der Kurve. Worauf die Kartenschreiberin aber hinauswollte, hat sich bei mir als ein starkes Bild festgesetzt: Für die Sicht auf eine Kurve ist entscheidend, mit welchem Gefährt ich auf der Straße unterwegs bin – Auto, LKW, Fahrrad, Bus, Umzugswagen oder Motorrad. Ich bin leidenschaftlicher Motorradfahrer und die Saison beginnt nun wieder. Und genau dieses Hobby hatte die Gratulantin im Blick, als sie den Satz formulierte. Mit dem Motorrad ist die Kurve nicht leichter oder weniger gefährlich, sondern als Motorradfahrer sieht man Kurven mit anderen Augen: als positive Herausforderung, als Chance, sie zu erleben und die physikalischen Kräfte zu spüren und zu nutzen. Denn du musst dich in die Kurve legen, um sie zu bestehen. Das ist ganz am Anfang eine Überwindung, aber gerade die kurvigen sind dann schnell die besten Abschnitte einer Tour. Aber nur, wenn man es wagt, sie gemeinsam mit dem Motorrad zu meistern. Für mein Leben habe ich neben dem Motorrad noch ein viel besseren und tragfähigeren Gefährten gefunden, mit welchem ich sogar gut durch die echten Kurven des Lebens komme: Gott selbst, der sich in Jesus Christus erlebbar gemacht hat. In Jesus hat uns Gott gezeigt, dass er uns nicht allein lässt, sondern sogar die elementaren Probleme angeht, die uns aus der Kurve werfen. Mit ihm werden die Kurven meines Lebens nicht einfach zur geraden Straße, aber jede Bewährungsprobe hat mit ihm das Potenzial, die eindrücklichsten Abschnitte auf meiner Lebenstour zu werden. Weil er immer da ist und mich niemals im Stich lässt. Weil er sich von den verschiedenen Fliehkräften des Lebens nicht zerreißen oder aus der Spur bringen lässt, sondern allem standhält. Diese Gewissheit macht mich hoffnungsvoll – auch in der Krise. Nicht, um fahrlässig zu werden, sondern sich vertrauensvoll mutig auch den Herausforderungen zu stellen. Jesus Christus ist nicht von dieser Welt, deswegen schaut er weiter als ich es kann. Er ist aber gleichzeitig mit mir in dieser Welt und ich kann vertrauen, dass er nicht loslässt. Mit ihm kann ich mich ganz in die Kurve des Lebens legen und mich dabei auf ihn verlassen, der da ist, mich hält und sicher ans Ziel bringt.

Pastor Andreas Theiß
Autorin/Autor
Pastor Andreas Theiß
Leiter des Familienzentrums Erlangen
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Zwischen den Stühlen

„Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der HERR, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.“ 

Wir alle kennen das Gefühl hin- und hergerissen zu sein und um Richtige Entscheidungen zu Ringen, das „Sitzen zwischen Stühlen“. Dieses Abwägen ist mühsam und manchmal wählt man doch das Falsche. Es gibt auch Entscheidungen, die werden aus dem Bauch heraus oder unbewusst gefällt, und rückblickend kann man gar nicht mehr sicher sagen, wie es dazu kam.
Diese Zerrissenheit findet sich oft auf dem persönlichen Glaubensweg wieder. Vielleicht sind Sie mit den Geschichten der Bibel aufgewachsen und haben als Kind von Noah, Abraham, Mose und den Wundern Jesu gehört. Gerade in diesem Alter steht man den Geschichten von Gott und den Menschen voller Neugier und mit großem Interesse gegenüber. Doch als Jugendlicher tauchen Fragen und Zweifel auf, alles will hinterfragt und kritisch auseinander genommen werden, auf der Suche nach „echten“ Antworten.
Bleiben diese jedoch unbeantwortet, schwindet meist das Interesse, und ohne einen neuen, eigenen Zugang zum Glauben, kann an diesem Punkt im Leben sogar der Glauben enden.  
So wird die Distanz zu Gott dann Alltag und bleibt es auch, bis die großen Lebensumbrüche Fragen aufwerfen: Möchte ich eine kirchliche Trauung? Will ich, dass mein Kind getauft wird? Wie soll ich oder eine geliebte Person beerdigt werden? Wieder ist da das Gefühl „zwischen den Stühlen“.
Menschen in dieser Situation, die sich für eine kirchliche Begleitung entscheiden, berichten immer wieder von Erfahrungen aus der Vergangenheit: Von einem schönen Erlebnis mit den Großeltern in der Kirche, von interessantem Religionsunterricht in der Schule, von Kinderfreizeiten oder von Treffen in kirchlichen Jugendräumen. 
Solche Erlebnisse bieten wir den Kindern und Jugendlichen in der Evangelischen Jugend an, beispielsweise in dem Jugendcafé „Café Krempl“. Hier können Schülerinnen und Schüler neben einem Mittagessen, durchatmen, Freunde treffen, Gemeinschaft erleben, sich an kreativen Projekten zur Kinder- und Jugendarbeit beteiligen und ihre Fragen stellen – egal ob es sich um Schulstress, Liebeskummer oder das „große Ganze“ und Gott dreht. 
Unser aller Alltag und die Kinder- und Jugendarbeit wird sicher noch einige Zeit mit Videokonferenzen, Telefonaten und Abstand stattfinden, doch die Fragen und das Abwägen von Entscheidungen werden dadurch nicht weniger, im Gegenteil. Allen, die sich gerade fühlen, als ob sie „zwischen den Stühlen“ sitzen, möchten wir ein Bibelwort mitgeben (aus Josua 1,9):
„Sei mutig und entschlossen! Lass dich nicht einschüchtern und hab keine Angst! Denn ich, der HERR, dein Gott, stehe dir bei, wohin du auch gehst.“ Denn für welchen Weg wir uns auch entscheiden, ob wir scheitern oder erfolgreich sind, es gibt Einen, der mit uns sein möchte und der sich schon vor langer Zeit für uns entschieden hat. Und vielleicht lässt dieser Zuspruch sie etwas leichter die Zerrissenheit und Unsicherheit vor einer Entscheidung ertragen und gibt Kraft die Liebe Gottes und seine Wunder im Alltag zu entdecken.

Diakoninnen und Dekanatsjugendreferentinnen der Evangelischen Jugend Sandra Schwarz und Ulrike Böhner
Autorin/Autor
Diakonin Sandra Schwarz und Diakonin Ulrike Böhner
Evangelischen Jugend im Dekanat Erlangen
veröffentlicht am

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