Stellungnahme des Landesbischofs zum Umgang mit sexualisierter Gewalt

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm:
„Als Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern haben wir die Ergebnisse des von der Erzdiözese München und Freising in Auftrag gegebenen Gutachtens mit großer Betroffenheit aufgenommen. Auch in der Evangelischen Kirche beschäftigen und beschämen uns Fälle von sexualisierter Gewalt. 166 Fälle sind uns bis jetzt in Bayern bekannt. Es ist der größtmögliche innere Widerspruch, wenn wir als Kirche von der Liebe Gottes sprechen und zugleich im Raum der Kirche durch sexualisierte Gewalt Seelen zutiefst verletzt und ganze Biographien zerstört werden.
Als Kirche Betroffenheit zum Ausdruck zu bringen, ist nur glaubwürdig, wenn wir zugleich konkrete Schritte gehen, die sexualisierte Gewalt in der Kirche aufarbeiten und in Zukunft verhindern helfen. Wir haben deswegen die vor mehr als 20 Jahren gegründete Ansprechstelle für sexualisierte Gewalt, an die sich Betroffene wenden können, kontinuierlich ausgebaut und gestärkt. Heute ist eine Fachstelle daraus geworden, in der 14 Menschen arbeiten. Qualifizierte Mitarbeitende begleiten dabei nicht nur Betroffene, sondern kümmern sich darüber hinaus um Prävention, Intervention und Aufarbeitung. Auch der Landeskirchenrat setzt sich kontinuierlich und intensiv mit diesem Thema auseinander.
Seit 2015 gibt es in der ELKB eine Kommission, die unabhängig und überwiegend mit externen Mitgliedern besetzt arbeitet und in rechtlich verjährten Fällen individuell bemessene finanzielle Leistungen zuspricht. Selbstverständlich arbeiten wir ohne Einschränkung mit der Staatsanwaltschaft zusammen.
Trotz der Bemühungen und Schritte, die wir bisher gegangen sind, müssen auch wir davon ausgehen, dass nicht in allen Fällen mit letzter Konsequenz gehandelt wurde. Diese Einsicht ist schmerzhaft, aber es ist notwendig, sich ihr zu stellen und Konsequenzen daraus zu ziehen.
Die Aufklärung des Vergangenen wird gegenwärtig durch die von der EKD finanzierte umfangreiche Studie mehrerer Universitäten vorangetrieben, an der auch wir als Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern beteiligt sind. Die Aufarbeitung selbst wird und muss darüber weit hinausgehen. Vor allem aber muss sie im beständigen Austausch mit denjenigen geschehen, denen diese Gewalt angetan wurde. Ihre Erfahrungen und ihre Perspektive sind entscheidend wichtig für uns, um Missbrauch fördernde Strukturen in unserer Kirche zu entlarven und ihnen entgegenzuwirken. Vor knapp zwei Jahren habe ich als Ratsvorsitzender die Vorschläge von Betroffenen zu Untersuchungen und Aufklärung von dritter Seite, insbesondere von staatlichen Stellen, ausdrücklich unterstützt. Denn Kirche kann nicht Richterin in eigener Sache sein.
In meiner Amtszeit gab es von Anfang an kontinuierliche Begegnungen mit Betroffenen, auch mit mir als Landesbischof persönlich. Wir werden sie fortsetzen und vertiefen. Im März wird die nächste Begegnung stattfinden. Wir bitten Menschen, die von sexualisierter Gewalt in unserer Kirche betroffen sind und auch zu diesem Austausch bereit sind, sich bei uns zu melden. Unsere Ansprechstelle steht für einen Kontakt zur Verfügung (Kontakt zu Ansprechstelle unter Telefon: 089 5595 676 oder E-Mail ansprechstellesg@elkb.de).“


München, den 24. Januar 2022
Johannes Minkus, Pressesprecher