Das Motto: Lebensmittel retten. Menschen helfen.

Tafel Erlangen
Bildrechte: Diakonie Erlangen - Anna Thiel
1653 Kunden*innen zählt die Tafel Erlangen Anfang 2021, 25 Jahre nach ihrer Gründung. Das sind zu viele. Der Kundenstamm ist seit 2016 um 35% gestiegen.

In Erlangen kommen Woche für Woche bedürftige Menschen zu den Ausgabestellen – ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche – und erhalten qualitativ hochwertige Lebensmittel.

Elke Bollmann, Leiterin der Erlanger Tafel schreibt: Warum? Sie haben wenig bis keine Wahl. Ihr monatliches Einkommen ist zu gering und genügt nicht für das Lebensnotwendige. Das wurde in den zurückliegenden zwölf Monaten besonders deutlich. Prekäre Beschäftigungsverhältnisse wurden beendet, das Einkommen aus Kurzarbeit bei Menschen mit ohnehin niedrigem Einkommen reicht oft nicht mehr für Miete und offene Rechnungen, Kindern fehlen materielle Ressourcen bei der Bewältigung von Distanzunterricht. Die Tafel war und ist für unsere Kunden*innen eine wichtige Hilfe im Alltag und hat ihnen als Konstante Stabilität gegeben.

Tafeln waren und sind systemrelevant. Wer oder was systemrelevant ist, ist immer eine Frage des Blickwinkels. Aber am Ende ist es so: Unsere Erde und wir Menschen sind systemrelevant. Davon muss sich alles andere ableiten. Tafeln können eine Gesellschaft nicht nachhaltig verändern, aber sie machen Missstände deutlich. Eine Gesellschaft, die mit einer Verknappung von Ressourcen zu kämpfen hat, die weiß, dass sie sich angesichts des Klimawandels anders verhalten und wirtschaften muss, geht mit ihnen trotzdem so um, als gäbe es kein Morgen. Ein Drittel aller Lebensmittel, die weltweit produziert werden, werden vernichtet. Und auf der anderen Seite sehen wir, dass es Not und Mangel bei uns gibt. Die Schere zwischen Armen und Reichen geht immer weiter auseinander. Armut nimmt die Chance auf eine freie persönliche, soziale, schulische und berufliche Entfaltung. Das ist doch eine – ich würde fast sagen – Versündigung an Umwelt und Mensch.

Seit 25 Jahren ermöglicht die Tafel Erlangen Teilhabe und übernimmt soziale Verantwortung. Sie verbindet soziales und ökologisches Engagement und das ist einzigartig. Und von dieser Idee profitieren alle Beteiligten: Lebensmittelhändler nehmen ihre ökologische Verantwortung wahr, Bedürftige erhalten für wenig Geld Lebensmittel. Und ganz nebenbei reduziert sich der anfallende Müll zugunsten der Umwelt und wertvolle Ressourcen wie Wasser und Arbeitskraft werden geschont. Möglich wurde das, weil sich in zurückliegenden Jahren immer zahlreiche Menschen für diese Idee einsetzten, einen Teil ihrer Lebenszeit, ihrer Kompetenzen und Erfahrungen anderen schenkten. Aktuell sichern 150 Mitarbeitende in den drei Ausgabestellen der Tafel Erlangen Tag für Tag einen reibungslosen Betriebsalltag, eine konstante Unterstützung für alle Kunden*innen. Für- und miteinander ist die Devise.

Die Tafel ist eine wichtige Anlaufstelle für Menschen in Not, ein sozialer Anker, der vor Einsamkeit schützt. Um unsere Arbeit verlässlich ausführen zu können, benötigen wir finanzielle Unterstützung. Diese erhalten wir seit vielen Jahren von zahlreichen Spendern*innen und Organisationen, dem Förderverein Erlangen Tafel e.V. und den Kommunen. Dafür sage ich ganz herzlichen Dank! Aber auf Dauer wird diese Arbeit alleine durch Spendengelder und ehrenamtliches Engagement nicht zu stemmen sein. Wie in un - seren europäischen Nachbarländern ist eine staatliche Unterstützung und Anerkennung erforderlich. Davon unberührt bleibt eine notwendige Neuausrichtung der Sozialpolitik in Deutschland, damit niemand mehr existenziell auf die Angebote der Tafeln angewiesen ist.

Machen wir uns gemeinsam auf den Weg!

Elke Bollmann
Leitung der Tafel Erlangen