Matthias Ewelt ist seit gut einem halben Jahr Vorstand der Stadtmission Nürnberg und Vorstandssprecher des Diakonischen Werks Erlangen. Der Theologe, der zuvor nach seinem Vikariat in Betzenstein und einem Auslandsvikariat in Atlanta Pfarrer in Bad Rodach und Roßfeld im Dekanatsbezirk Coburg und in Brodswinden im Dekanatsbezirk Ansbach war, wurde 2010 Dekan im Dekanatsbezirk Neustadt an der Aisch bevor er 2017 zur Diakonie wechselte. Pfarrer Ewelt ist verheiratet und Vater zweier volljähriger Kinder.

 

Herr Ewelt, seit 6 Monaten sind Sie als Vorstandssprecher der Diakonie Erlangen und Vorstand der Stadtmission Nürnberg im Amt.  Wie erleben Sie das Verbindende zwischen Erlangen und Nürnberg?

Das Verbindende fällt mir persönlich leicht, weil mir die Region vertraut ist. Vor allem in Erlangen sind mir viele aus dem Pfarrkapitel bekannt. Ich habe dort schon studiert, gewohnt und auch geheiratet. Letztlich bin ich ein Stück weit selbst das Verbindende in meiner Person. Die beiden Aufsichtsratsvorsitzenden Stadtdekan Jürgen Körnlein wie auch der Erlanger Dekan Peter Husche sind bereits Kollegen aus meiner Zeit als Dekan in Neustadt/Aisch - das verbindet. Und wir merken alle, dass wir in den Strukturen immer mehr gemeinsam denken. Die Aufsichtsgremien treffen sich gemeinsam und wir denken stärker zusammen als das vielleicht in den offiziellen Vereinsstrukturen nach außen deutlich wird.

Werden sich die Strukturen anpassen?

Sicher, die Vereinsstrukturen werden sich weiter anpassen, aber es gibt auch wirtschaftliche und unternehmerische Gründe für eine ganze Gruppe von Gesellschaften. Manche werden mittelfristig gezielt wieder zusammengeführt, z.B. die ambulante Pflege. Aber Prozesse brauchen Zeit und die Mitarbeitenden müssen mitgenommen werden

… so dass es vielleicht in Zukunft Diakonie Erlangen-Nürnberg heißt?

… schön, dass Sie das sagen. Dann muss ich es nicht sagen, aber das wäre meine Hoffnung. In beiden Städten ist da noch Arbeit nötig. Erlangen ist vielleicht etwas weiter, da sie bereits Diakonie Erlangen heißen. Um den Begriff Stadtmission Nürnberg sind wir noch am Ringen: Wie wichtig ist er und was bedeutet er?

Sie sind in Erlangen auch für soziale Dienste zuständig wie Altenheime, Bahnhofsmission und Hospiz. Worauf ist zur Zeit ein besonderes Augenmerk nötig?

Das ändert sich beinahe täglich. Das liegt entweder an den Rahmenbedingungen oder an den Einrichtungen. Bei den Einrichtungen liegt ein Hauptaugenmerk auf der Altenpflegeeinrichtung in der Sophienstrasse in Erlangen. Sie war ja auch der Auslöser für das Zusammengehen. Die Einrichtung war in der Vergangenheit nicht so aufgesetzt wie es sinnvoll ist und bleibt eine Herausforderung für das Zusammenwachsen der beiden diakonischen Werke. Ein weiteres Augenmerk liegt immer auch auf dem Personal. Ende des Jahres wurde die langjährige Leiterin der Bahnhofsmission Frau Holzheimer verabschiedet. Das sind wichtige „landmarks“ und man muss den Übergang begleiten. Die Flüchtlingsbegleitung ist natürlich aktuell. Dort haben sich auch wieder die Rahmenbedingungen geändert. Aktuell durch die gesetzliche Veränderung, dass die bisherige Trennung von Migrations- und Flüchtlingssozialberatung aufgehoben wurde.  Ein langfristiges Thema, das die Gesellschaft insgesamt bewegt, ist die  Personalakquise in der Pflege. Wir haben in diesem Punkt einen etwas anderen Fokus als die Politik. Uns sind besonders die auskömmlichen Mittel im System wichtig.  Im Moment ist alles finanziert als ob es keinen Urlaub und Krankheit gäbe und das ist zu eng! Und wir sind gegen eine zu große Pflegelastigkeit. Zum Leben gehört mehr als Pflege.  Umgekehrt ist es: Pflege muss da sein um Leben zu ermöglichen. Da haben wir als Diakonie ein besonderes Augenmerk drauf.

Dieses Jahr sind auch Landtagswahlen Welches Thema muss aus Sicht der Pflege virulent sein?

Sicher ist es die Frage der Personalgewinnung und deren Rahmenbedingungen.

Wie findet man Menschen, die in den Bereichen der Diakonie arbeiten und eine Ausbildung machen?

Wir hoffen, dass das über auch über das Haltungsthema geht. Es sollte nicht mehr heißen: Bist du evangelisch oder wenigstens in der Kirche? DiakoniemitarbeiterInnen haben einen hohen Identifikationsgrad mit ihrer Einrichtung. Und das ist mehr eine Frage der Haltung als Zugehörigkeit. Die Diakonie ist oft kirchlicher als die Kirche diakonisch ist. Darüber will ich gerne ins Gespräch zu kommen.

Auf ihrer homepage werden Sie als Ansprechpartner für das diakonische Profil der Diakonie bezeichnet. Müsste es nicht eher heißen Ansprechpartner für das diakonische Profil der Kirche um zu zeigen, dass beides zusammengehört?

Unser Zugangsweg ist, dass wir uns grundsätzlich kirchlich verstehen. Ich denke der jetzt angestoßene PuK (Profil und Konzentration) Prozess geht auch an uns nicht spurlos vorbei und fordert auf neu zu denken. Ich möchte dabei auch die kirchlichen Prozesse mit diakonischem Blick zu begleiten. Der theologische Blick von Diakonie und Kirche hat natürlich etwas miteinander zu tun! Er muss für uns etwas zu tun haben, damit wir nicht wegdriften. Aber Diakonie ist für die Kirche auch sehr wichtig, denn Kirche wird oft von außen gerade wegen ihrer diakonischen Arbeit noch positiv wahrgenommen!

Was wünschen sie sich von den Kirchengemeinden des Erlanger Dekanats?

Ein offenes Herz für die Fragen der Diakonie! Nicht jeder Pfarrer, jede Pfarrerin hat Zeit das diakonische Profil der jeweiligen Gemeinde zu schärfen. Das hat immer damit zu tun was gerade an Aufgaben und Herausforderungen wichtig ist – das weiß ich. Wichtig ist aber ein offenes Herz und das Wissen, dass wir das diakonische Werk des Dekanatsbezirks und seiner Kirchengemeinden sind und wir aus den Gemeinden und für die Kirchengemeinden Diakonie entwickeln wollen.  Manches ist spezialisiert und das ist gut. Doch der Kontakt zu den Kirchengemeinden ist dabei relevant und wird in Erlangen ja auch durch Frau Hornung gut gepflegt.

Diakonie erreicht oft Menschen mitten und am Rand der Gesellschaft, die von Kirche nicht erreicht werden. Bedeutet das eine besondere Verantwortung?

Ja, das bedeutet es. Es ist unsere Verantwortung, dass wir aus unserem Profil und aus unserer Überzeugung heraus zu den Menschen gehen. Wenn die unterschiedlichen Sozialträger austauschbar wären hätten wir verspielt. Wir müssen mit unserer speziellen Haltung die Dinge wahrnehmen und damit zu Menschen kommen, die wir sonst als Kirche schon lange nicht mehr erreichen.

In welche Richtung sollte sich Diakonie in den nächsten Jahren entwickeln?

Die Diakonie wird sich in die Richtung entwickeln, in die sich die Gesellschaft entwickelt. Wir haben Kernaufgaben im Blick auf Armut, Beratung, Gefährdetenhilfe sowie Pflege. Aufgaben hängen immer davon ab, wie sich die Gesellschaft entwickelt, politisch und von den Bedarfen. Und das andere geben wir uns selber vor, z.B. wieviel paralleler Schritt geschieht mit Kirche, PuK wird das herausfordern.

 

Interview und Fotos: Christian Düfel