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Geistliche Begleitung:
Wahrscheinlich kennen Sie diesen Ausdruck
nicht
Daher eine kurze Erklärung:
Geistliche Begleitung ist NICHT Seelsorge, wenn sie ihr auch ähnelt. Bei der Seelsorge sucht man wegen eines einzelnen Problemes, einer Krise oder einer Glaubensfrage Kontakt mit einem Seelsorger. Wenn man wieder Land sieht, werden die Gespräche beendet.
Wenn man sich dafür entscheidet, in eine nähere, vertrauensvolle und wahrhaftige Beziehung zu Gott hineinwachsen zu wollen, merkt man oft, dass zwar vielerlei „heilige“ Aktivitäten, durch treues Lesen der Losungen oder der Bibel und/oder Gesprächskreise, Vorträge, Gottesdienste u.Ä. wichtig sind, aber dennoch nicht wirklich weiterführen. Warum? Der Wachstums-, der Entfaltungsprozess ist ein Nachfolgeweg, dessen Krümmungen, Stolpersteine und auch Verlauf man gewöhnlich kaum oder gar nicht kennt, weil er nicht öffentlich gelehrt wird, weil er gar nicht gelehrt werden kann. Die Ergebnisse dieses Weges sind klar und oft Gegenstand einer Predigt, aber wie man sie erreicht, bleibt verschwommen. Als Beispiele gebe ich: Ihr seid das Licht der Welt! Oder: Nimm dein Kreuz auf dich und folge mir nach. Oder: Wer Durst hat, komme zu mir und trinke. Oder: Fürchtet und sorgt euch nicht. Oder: Wenn ich auch die heiligsten Dinge täte und hätte die Liebe nicht, so wäre es nichts. Oder: Die Wahrheit macht euch frei.
Wer sich also auf den Nachfolgeweg begibt, braucht Begleitung von einem Menschen, der diesen Weg aus persönlicher Erfahrung schon ein Stück weit kennt. Achten Sie dabei auf das Wort „Begleitung“. Da Gott jeden Menschen seinen eigenen Nachfolgeweg gehen läßt, kann der Begleiter ihn nicht führen. Das tut Gott. Aber es gibt Gesetzmäßigkeiten, die der Begleiter kennt, der „Neuling“ aber nicht. Sie können ihm zum Fallstrick oder aber zum Segen werden. Im Begleitungsgespräch wird daher die jeweilige Station auf dem Weg zusammen angeschaut, nachgespürt, um den nächsten
Schritt zu erkennen. Ich möchte das an einem Bild verdeutlichen:
Wenn man auf einen unbekannten hohen Berg klettern will, nimmt man sich vernünftigerweise einen Führer, der diesen und auch viele andere Berge schon bestiegen hat. Aber der Führer muss sich nach den Möglichkeiten des Neulings richten. Der Einstieg kann also ein ganz anderer sein als der Weg, den er selber nehmen würde. Aber wo sie auch anfangen, sie werden erst durch Wälder gehen, dann durch strüppiges Gelände, über Almen und dann durch Fels und Schnee. Sie werden sorgfältig die Füße und später die Hände platzieren, das Gelände und das Wetter beachten. Und sie werden aufpassen, dass sie genug Wasser und Nahrung dabei haben, die richtige Kleidung und Schuhe tragen und ausreichend Pausen einlegen.
Geistliche Begleiter – wer ist das und wo sind sie zu finden?
Ignatius von Loyola erlaubte gewöhnlich denjenigen, die mit erkennbarer Frucht die 30-tägigen Exerzitien gemacht hatten, ihrerseits Menschen zu begleiten. Deswegen findet man besonders bei den Jesuiten höchst kompetente und erfahrene geistliche Begleiter. Aber auch bei den Franziskanern, Karmeliten und Benediktinern kann man fündig werden.
Auch in den strengen kontemplativen Orden, sofern es dort üblich ist, Begleitung zu erfahren und zu geben, kann man sie finden.
Ansonsten gibt es durchaus geistliche Begleiter außerhalb der Orden. Sie sind oft Laien, die seit Jahren das meditative Gebet üben und gewöhnlich regelmäßig selber auf Exerzitien gehen, wo sie ihrerseits begleitet werden. (Scheuen Sie sich nicht, nach deren Übungspraxis zu fragen!). Ferner gibt es im katholischen Bereich mehrjährige Ausbildungen dazu. Allerdings gilt auch hier: Die Übungspraxis und die Erfahrung, selbst begleitet zu sein, sind unverzichtbar.
Denken Sie daran, dass ein Seelsorger in Krisen sehr wohl helfen kann, aber gewöhnlich kein Begleiter beim geistlichen Prozess ist. Das gilt noch viel mehr für Psychotherapeuten, es sei denn, sie haben die o.g. Übungspraxis.
Wie auch sonst im Leben gilt auch hier: Wenn ein Begleiter als noch so kompetent gilt, wenn Sie sich nicht angenommen fühlen, suchen Sie bitte jemanden anders. Das gilt auch für den Fall, dass Sie sich in irgendeine Richtung gedrängt fühlen.
Wenn jemand ein Honorar für die Gespräche verlangt, schauen Sie sich lieber weiter um,
denn ein geistlicher Begleiter sollte von Ihnen völlig unabhängig sein!
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